Farbige Tiere
Die Kunstwerke zeigen nicht die „Kuh“ oder das „Schwein“, sondern eine Idee, eine Wahrnehmung oder Emotion, die damit verbunden ist. Darüber hinaus sind sie eine Darstellung der Zeit, mit ihrer Interpretation.
Die Farbwahl ist bewusst unnatürlich. Die Farbe wird zum inhaltlichen Statement. Sie ist unübersehbar, fast provokant.
Sie wirkt zunächst humorvoll oder skurril, ist jedoch konzeptionell konsequent.
Die Farbe dient als Verfremdungsakt -der Betrachter wird animiert, das Motiv neu zu sehen. Hier wird Wallers Haltung - Wahrnehmung verändern durch Variation und Modifikation – sichtbar.
Die farbigen Tierbilder spiegeln die Lust an Farbe, an humorvoller Distanz und am Spielen mit Wahrnehmung – und können zugleich als ironischer Kommentar auf Rollenbilder und scheinbare Lebensrealität gelesen werden.
Die farbigen Tiere sind Gabriele Wallers augenzwinkernde Hommage an das Leben in seiner Buntheit.
Vielleicht ist es genau dieser Humor, der ihre Kunst so menschlich macht: das Wissen, dass auch in der Wiederholung und im Ernst Platz für Leichtigkeit bleibt. Sie malt, was sie erlebt und
manchmal das befreiende Lachen über seine Absurdität.
Die Auswahl von Kuh und Schwein ist nicht zufällig: Beide Tiere sind in der europäischen Kulturgeschichte hoch aufgeladen – als Symbole für Ernährung, Körperlichkeit und Fruchtbarkeit, aber
auch als Projektionen menschlicher Wertvorstellungen.
Die Farbgebung – etwa die blaue Kuh oder das pinke Schwein – ist eine Form von sanfter Ironie und poetischer Entfremdung.
Waller thematisiert damit nicht nur die Ästhetik des Alltags, sondern auch eine ethische Haltung: die Achtung vor dem Gewöhnlichen, dem Übersehenen, dem vermeintlich Zweckhaften.
Kuh und Schwein sind zentral in der Landwirtschaft, zentral im Leben, aber oft unsichtbar in der Kunst.
Das Tier wird zentral platziert, eine klare Formgebung dient dem Porträtieren. Die Gestaltung ist fast ikonisch. Der Hintergrund bleibt meist flächig und reduziert.
Die vertrauten Motive sind in Farbe, Form und Bedeutung transformiert.
Unverkennbar ist die ironische Spiegelung des Menschlichen im Tierischen. Es ist ein Spiel zwischen Identität und Wahrnehmung.
In ihren Tierbildern spiegelt sich dieselbe Energie, die auch ihre Portraits durchzieht: eine unerschütterliche Zuwendung zum Lebendigen.
Die Tier-Serie zeigt auf, wie Wahrnehmung und Bewertung funktionieren. Die Werke brechen das Menschliche ironisch auf und führen es in den Kreis der zeitlichen Erscheinung zurück.